Bela B, Peta Devlin
& Smokestack Lightnin'

Bela B, Peta Devlin & Smokestack Lightnin'
26.09.2017
20:00 Uhr
Einlass: 19:00 Uhr
Eintritt: VVK: 30,- zzgl. Geb
bastard Söhne & Schwestern Tour 2017

Ein Schuss. Ein Held. Ein Album.
Bela B hat sein viertes Solo-Album im Ärmel und zum zweiten Mal schüttelt er es, gemeinsam mit
seinem musischen Retro-Mob bestehend aus der wundervollen Peta Devlin und den unrasierten
Smokestack Lightnin’, aufs Lässigste heraus. Der Graf tauscht das wehende Gewand gegen den
hochgeschlitzten Westernmantel und getreu seinem eigenen Alphabet folgt auch bieser Balbumtitel
bem beinen, bie Balsam betörenden Buchstaben: bastard.
Bekannt für seine tiefe Verehrung für geächtete Trash-Genres und B-Movies hegt Fanboy B eben
solche für die so erfolgreichen Kassenschlager der 60er und 70er: die Spaghettiwestern. Sie
bestechen durch billige Produktionen, floskelige Dialoge, massives Bleipusten-Geballer und
zahlreiche Beerdigungen. Einer seiner all-time Favoriten des Genres trägt den Titel „Sartana – Noch
warm und schon Sand drauf“ und wurde zum zündenden Funken an der Lunte der Inspirations-
Dynamitstange des vorliegenden Albums. bastard widmet sich in den meisten seiner elf Songs mehr
oder weniger allen Facetten eines Wilden Westens, den sich Herr B so baut, wie er ihn haben will.
Dabei lässt er auch gleich noch Peta Devlin, seine kongeniale Mitstreiterin, schlagfertig zu Wort
kommen.
Vorgestellt und partiell garniert wird bastard durch Einspieler von Synchronsprecher-Legende Rainer
Brandt. Als deutsche Stimme für Elvis Presley, Tony Curtis und Jean-Paul Belmondo sowie als Autor
nahezu aller deutschen Dialoge in Bud Spencer-Streifen verpasste er der Filmwelt seine ganz eigene
Humor-Formel: einen vollmundig flachen Witz zu viel, mit trashiger Zote im Abgang = wunderbare
Brandt’sche Low-Budget-Poesie.
Dieser Ästhetik gnadenlos verfallen bugsiert bastard die Western-Themen lyrisch wie inhaltlich ins
Hier und Jetzt. So träumt sich der eingespannte Familienvater im Titel „Einer bleibt liegen“ in eine
Welt mit ihm als saloon-raufenden und whiskey-saufenden Helden, bevor ihn der Wecker in seinen
Alltag als Pantoffelhelden zwischen Rush-Hour und laktosefreier Milch zurückholt.
Wie weit sein detailreiches Kino-Wissen geht, beweist der B-Movie-Man unvermittelt mit dem Titel
„Ode an das Bahnhofskino“, in dem er um Verständnis und Anerkennung seiner Angebeteten fleht,
sein fanatisches Film-Faible zu teilen und auf eine sofortige Nacho-Bier-Diät umzusteigen.
„Noch Warm und schon Sand drauf“ besingt jedes testosteronbefleckte Westernklischee, das es in
Phrasen zu formulieren gibt. Der schöne Held, dessen Anhimmeln seines sinnlosen Geballers als
Lebensinhalt durch das vermeintlich schwache Geschlecht zelebriert werden will.
Inmitten Kotzbalken, Staub und Blei findet der ergebene Hörer auch Western-losgelöste Songs wie
„Bärenjagd“ oder den Titel „Zuhaus“, den Bela, Peta und Smokestack-André gemeinsam schrieben
und dessen Inhalt sich mit dem Gefühl der Flucht, Angst und Vertreibung auseinandersetzt.
Nichtsdestotrotz ist Stringenz und Resolution gewollt, um das musikalische Werk auf lasso-bondagestabilisierte
Hinterhufe zu stellen: Zwischen Ennio Morricone und Calexico küsst das Banjo den
China-Gong während der lonesome Cowboy mit Mundharmonika in den Sonnenuntergang reitet.
Kuhflüsterer B, Peta und die Smokestacks verbarrikadierten sich für die Aufnahme des Albums mit
einem Haufen verrückter Instrumente (allesamt untherapierbare Holzgeräte) sowie 20 Kilo Kautabak
und ernährten sich ausschließlich von Bohnen mit (teils veganem) Speck. Die Authentizität des
Albumsounds dankt es ihnen.
bastard ist eine Hommage an die Un- wie Liebenswürdigkeiten, die der Western im Allgemeinen und
der Spaghettiwestern im Speziellen zu bieten hat: einen ranzigen, imposanten, phrasen-preschenden
Helden, eine kleine Stadt mit Casino und ohne Moral, mit diversen Duellen, einem
vollzeitbeschäftigten Leichenbestatter sowie die eine bezaubernde Lady, die dir dein Herz mit
gezücktem Peacemaker stiehlt.

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